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Irene Leicht

Impulse

Frei nach „Ich sing für die Verrückten“ von Hanns Dieter Hüsch (1925-2005)

Ich sing für die Geknickten, die reichlich Ungeschickten
Die schwer am Leben tragen und manchmal gar verzagen
Weil sie den Sinn nicht sehen und zudem nicht verstehen
Dass andre nicht so leiden und jeden Schmerz vermeiden

Die ausgebrannt, erschöpft sind - verloren ist ihr inneres Kind
Die allzu lang im Bett verweilen und sich dann später arg beeilen
Um Termine einzuhalten, die von herrschenden Gewalten
Ihnen wurden vorgesetzt. Ach, sie sind so sehr verletzt

Die Messlatte liegt viel zu hoch; sie drückt und schafft ein Seelenloch
Das sie zu stopfen suchen mit Drogen oder Kuchen
Die nicht mehr weinen können, noch schreien oder klönen
Die müde sind vom Warten, nicht hoffen auf den Garten

Des Paradieses, der doch verheißen den Jungen und den Greisen
Den Kranken und Gesunden, den Eckigen und Runden

Für all die will ich singen, die nicht vor allen Dingen
Brillieren, funktionieren, gewinnen, reüssieren
Sich angewiesen wissen, das Göttliche vermissen
Die Einsamkeit erleben und eigne Schuld zugeben

Ich sing für die Geknickten, die reichlich Ungeschickten
Die schwer am Leben tragen und manchmal gar verzagen:
Hört, was Jesaja [42,3] verspricht: Das geknickte Rohr Sie nicht zerbricht,
Noch löscht den Docht, der glimmt; Sie zärtlich euch annimmt.

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