Der Same geht auf und wächst. (Mk 4,27)
Das Reich Gottes ist da! In Gleichnissen veranschaulicht Jesus diese Wirklichkeit der Liebe und Heilung, der Gerechtigkeit und des Friedens, die Gott für die Menschen will. Im 4. Kapitel des Markusevangeliums verwendet er dafür das Bild von der Saat, die wie von selbst aufgeht:
„Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie“ (Mk 4,26f).
Was für ein Bild. Es erinnert mich an das Wu Wei aus dem Daoismus, das in etwa „Handeln durch Nicht-Handeln“ bedeutet. Säen, schlafen, aufstehen, immer neu – wobei ich davon ausgehe, dass der Mensch die Saat auch gegossen, gejätet und anderweitig gepflegt hat. Zugleich lässt er gewähren, nicht kontrollierend und alles schon genau wissend, sondern voller Vertrauen.
Für mich ist das auch ein Bild mystischer Spiritualität: Da wirkt „etwas“ im Verborgenen meiner selbst, nicht durch mich, aber auch nicht ohne mich. Und ich freue mich an der Vorstellung, dass die Saat in meinem Leben aufgehen und wachsen darf – auf dass das Reich Gottes werde.