Mir wird nichts mangeln oder: Mir fehlt es an nichts (Ps 23,2)
Zwei Übersetzungen dieses halben Psalmverses: Die eine weist in die Zukunft, die andere beschreibt die Gegenwart. Die Zweiflerin in mir hakt nach: Ist der Mensch nicht ein Mängelwesen? Treibt uns nicht ein Begehren oder gar die Gier an, ständig etwas zu wollen, materiell, aber auch geistig? Wie oft habe ich das Gefühl, dass etwas fehlt; wie oft meine ich, etwas zu brauchen …
Bei Licht betrachtet habe ich genug. Mir reicht’s. Ich habe viel mehr als das Notwendige. Und wie reich beschenkt doch die Natur, mit ihren Farben, Düften und dem Licht. Trotzdem bin ich getrieben. Der Kleiderschrank ist voll, doch ich weiß nicht, was ich anziehen soll. Zum Beispiel.
Ich bin nicht genug. Dieser tief sitzende Verdacht, diese Angst ist vermutlich die größte Treiberin. Sie steuert auch mein Konsumverhalten. Der Psalmvers ruft in Erinnerung: Gottes Geleit schenkt alles zur Genüge. Darauf zu vertrauen und entsprechend zu leben, genießend und verzichtend, begehrend und zufrieden, genügsam und großzügig: dahin geht meine Sehnsucht.