Siehe, es war sehr gut. (Gen 1,31)
Die Erwartung mancher Eltern und die Sehnsucht vieler Kinder und Jugendlicher: eine Eins bekommen, ein „sehr gut“. In unserem Schulsystem bedeuten Bewertungen viel. Diejenigen, die nicht in der oberen Liga mitspielen, fühlen sich oft minderwertig. Denn das ist die Falle: Wenn mit der Bewertung einer Leistung die Bewertung der Person einhergeht. In einer leistungsorientierten Gesellschaft passiert das häufig.
Auch im großen Schöpfungslied am Anfang der Bibel gibt es oft ein „gut“, und am Ende des Schaffens gar ein „sehr gut“. Eine Eins. Doch da geht es nicht um Leistung. Da geht es nicht um etwas, was sich berechnen ließe. Da geht es auch nicht um die Erfüllung von Erwartungshorizonten oder um Perfektion.
„Siehe, es war sehr gut“: So wird alles Geschaffene in seiner Ganzheit gewürdigt. So, wie es ist. Diese Zusage steht am Beginn: Es ist sehr gut. Die Welt, wie sie ist; wir, wie wir sind. Wenn wir darauf vertrauten, wenn wir das annähmen und uns darauf ausrichteten: Dann sähe unser Zusammenleben anders aus. Dann gäbe es keinen Neid und keine Kriege. Dann könnten wir uns sein lassen. Eine Utopie. Wie sehr gut wäre es, wenn wir zu ihrer Verwirklichung beitrügen!